Walter Ulbricht gehörte zu den wichtigsten politischen Figuren der DDR. Er wurde am 30. Juni 1893 in Leipzig geboren und prägte die Entwicklung des ostdeutschen Staates über viele Jahre. Besonders eng ist sein Name mit der SED, dem Aufbau des politischen Systems der DDR und dem Bau der Berliner Mauer verbunden.
Von 1950 bis 1971 stand Ulbricht an der Spitze der SED. Ab 1960 war er außerdem Vorsitzender des Staatsrats der DDR. Damit verfügte er zeitweise über zentrale Machtpositionen in Partei und Staat.
Wer war Walter Ulbricht?
Walter Ernst Paul Ulbricht wuchs in Leipzig als Sohn eines Schneiders auf. Seine Eltern waren politisch in der Sozialdemokratie aktiv. Ulbricht besuchte die Volksschule und machte anschließend eine Ausbildung zum Tischler.
Schon als Jugendlicher beschäftigte er sich mit sozialistischen Ideen. 1908 schloss er sich der Sozialistischen Arbeiterjugend an, 1912 trat er in die SPD ein.
| Information | Angaben |
|---|---|
| Vollständiger Name | Walter Ernst Paul Ulbricht |
| Geboren | 30. Juni 1893 |
| Geburtsort | Leipzig |
| Berufsausbildung | Tischler |
| Politische Parteien | SPD, später KPD und SED |
| Wichtige Funktion | Erster Sekretär des ZK der SED |
| Gestorben | 1. August 1973 |
Eine ausführliche biografische Übersicht bietet das Deutsche Historische Museum.
Walter Ulbrichts politischer Aufstieg
Von der SPD zur KPD
Während des Ersten Weltkriegs wurde Walter Ulbricht zum Militär eingezogen. Nach der Revolution von 1918 schloss er sich dem Spartakusbund an und gehörte anschließend zur neu gegründeten Kommunistischen Partei Deutschlands.
In den folgenden Jahren machte er innerhalb der KPD Karriere. 1926 wurde er Mitglied des Sächsischen Landtags. Von 1928 bis 1933 saß er im Reichstag. Innerhalb der Partei übernahm er zunehmend wichtige organisatorische Aufgaben.
Walter Ulbricht im Exil
Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurde Ulbricht verfolgt. Er ging zunächst nach Frankreich und später in die Sowjetunion.
Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er unter anderem für Radio Moskau. 1943 war er an der Gründung des Nationalkomitees „Freies Deutschland“ beteiligt.
Im Frühjahr 1945 kehrte er mit der sogenannten Gruppe Ulbricht nach Deutschland zurück. Diese Gruppe spielte beim politischen Neuaufbau in der sowjetischen Besatzungszone eine wichtige Rolle.
Walter Ulbricht und der Aufbau der DDR
1946 entstand durch die Vereinigung von KPD und SPD in der sowjetischen Besatzungszone die SED. Walter Ulbricht gehörte zu ihren führenden Funktionären.
Nach der Gründung der DDR im Jahr 1949 wuchs sein Einfluss weiter. Im Juli 1950 wurde er Generalsekretär des Zentralkomitees der SED. Ab 1953 trug das Amt die Bezeichnung Erster Sekretär.
Nach dem Tod von Wilhelm Pieck wurde Ulbricht 1960 Vorsitzender des neu geschaffenen Staatsrats. Gleichzeitig führte er den Nationalen Verteidigungsrat. Dadurch vereinigte er wichtige Machtpositionen in seinen Händen.
Walter Ulbricht, der 17. Juni und die Berliner Mauer
Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953
Im Juni 1953 kam es in der DDR zu großen Protesten. Ausgangspunkt waren unter anderem erhöhte Arbeitsnormen. Aus Arbeiterprotesten entwickelte sich eine breite politische Protestbewegung.
Die Demonstrierenden verlangten unter anderem politische Veränderungen und freie Wahlen. Sowjetische Truppen griffen ein und schlugen den Aufstand nieder.
Für die Führung um Walter Ulbricht war der 17. Juni eine schwere politische Krise. Dennoch konnte Ulbricht seine Stellung an der Spitze der SED behaupten.
Walter Ulbricht und der Bau der Berliner Mauer
Besonders bekannt ist Walter Ulbricht wegen seiner Rolle beim Bau der Berliner Mauer. Bis 1961 verließen Millionen Menschen die sowjetische Besatzungszone beziehungsweise die DDR in Richtung Westen.
Am 15. Juni 1961 erklärte Ulbricht auf einer internationalen Pressekonferenz:
„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“
Weniger als zwei Monate später, am 13. August 1961, begann die DDR-Führung mit der Abriegelung der Grenze zu West-Berlin. Die Forschung zeigt, dass Ulbricht zuvor bei der Sowjetunion auf eine Schließung der Grenze gedrängt hatte. Die endgültige Entscheidung hing jedoch auch von der Zustimmung der sowjetischen Führung ab.
Weitere Hintergründe zum Mauerbau bietet die Bundeszentrale für politische Bildung.
Wirtschaft und Politik unter Walter Ulbricht
Unter Ulbricht wurde die DDR nach sozialistischen Vorstellungen umgebaut. Die Wirtschaft wurde stark staatlich geplant und private Unternehmen verloren zunehmend an Bedeutung.
In den 1960er-Jahren versuchte die Führung mit dem Neuen Ökonomischen System, die Wirtschaft effizienter zu machen. Betriebe sollten stärker nach wirtschaftlichen Kennzahlen arbeiten, obwohl die grundlegende staatliche Planwirtschaft erhalten blieb.
Auch außenpolitisch war Ulbricht eng an die Sowjetunion gebunden. 1968 unterstützte er die militärische Intervention der Staaten des Warschauer Pakts gegen den Prager Frühling in der Tschechoslowakei.
Warum verlor Walter Ulbricht seine Macht?
Ende der 1960er-Jahre entstanden zunehmend Konflikte innerhalb der SED-Führung. Besonders Erich Honecker gewann an Einfluss.
Ulbricht geriet sowohl bei Fragen der Wirtschaftspolitik als auch beim Verhältnis zur Bundesrepublik in Konflikt mit Teilen der Parteiführung. Gleichzeitig verlor er die uneingeschränkte Unterstützung der sowjetischen Führung.
Am 3. Mai 1971 musste Ulbricht sein Amt als Erster Sekretär des Zentralkomitees abgeben. Erich Honecker wurde sein Nachfolger.
Ulbricht blieb zwar Vorsitzender des Staatsrats und erhielt den Titel Ehrenvorsitzender der SED, hatte aber deutlich weniger politischen Einfluss.
Walter Ulbrichts Tod und historische Bedeutung
Walter Ulbricht erlitt im Juli 1973 einen Schlaganfall. Er starb am 1. August 1973 im Alter von 80 Jahren.
Seine politische Laufbahn ist eng mit den ersten Jahrzehnten der DDR verbunden. Unter seiner Führung wurden die Strukturen des SED-Staates gefestigt und die sozialistische Planwirtschaft ausgebaut.
Besonders dauerhaft blieb seine Verbindung mit der Berliner Mauer. Seine Aussage vom Juni 1961 gehört bis heute zu den bekanntesten Zitaten der deutschen Nachkriegsgeschichte.
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Häufige Fragen zu Walter Ulbricht
Wann wurde Walter Ulbricht geboren?
Walter Ulbricht wurde am 30. Juni 1893 in Leipzig geboren. Seine Eltern waren sozialdemokratisch engagiert.
Welche Funktion hatte Walter Ulbricht in der DDR?
Ulbricht war von 1950 bis 1971 führender Parteichef der SED. Ab 1960 war er außerdem Vorsitzender des Staatsrats der DDR.
Hat Walter Ulbricht den Bau der Berliner Mauer beschlossen?
Ulbricht setzte sich für eine stärkere Abriegelung West-Berlins ein. Die Grenzschließung erfolgte jedoch im Zusammenhang mit Entscheidungen der DDR-Führung und mit Zustimmung der Sowjetunion.
Was sagte Walter Ulbricht über die Berliner Mauer?
Am 15. Juni 1961 sagte er auf einer Pressekonferenz: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Am 13. August begann die Abriegelung der Grenze zu West-Berlin.
Wann und woran starb Walter Ulbricht?
Walter Ulbricht erlitt im Juli 1973 einen Schlaganfall und starb am 1. August 1973. Er war 80 Jahre alt.
